Wollarium

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Tuesday, March 14, 2017

Frühlingsstrick

Mit dem blauen Band klappt es im Moment ja noch nicht so. Im Garten hab' ich doch eine Weile suchen müssen, bis ich ein paar Frühlingsboten fand. Die Krokusse sind zwar schon zu sehen, scheuen sich aber offenbar noch, ihre Blütenköpfe der Kälte auszusetzen, kann ich verstehen, meine Ohren frieren draußen auch noch, und die warmen Stiefel mag ich auch noch nicht aufgeben. Trotzdem - schönes Wetter zum Rausgehen ist es trotzdem. Zum Beispiel ins frühere 'Niemandsland' nach Sacrow, wo noch die Heilandskirche der Hohenzollern steht, die zur Zeit der Berliner Mauer quasi auf der Trennlinie stand und entsprechend mitgenommen aus dieser Zeit hervorging. Wer mag, kann hier einiges nachlesen.


Definitiv ein Platz für Romantiker. Und Radfahrer, Kanupaddler. Ein paar Spaziergänger ... aber allzuviele Menschen finden sich hier nicht ein.


Aber eigentlich wollte ich noch etwas übers Stricken schreiben. Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich immer ein Strickprojekt in der Tasche habe, für den Fall eines Verkehrsstaus, eines ungeplant langen Aufenthalts im Zug oder sonst eines unerwarteten Zeitfensters. Im Moment aber lockt mich da gar nicht so viel. Eine kreative Pause, eine grundlegende Veränderung - ich weiß es nicht. Fakt ist jedenfalls: ich stricke weniger. Irgendwie aber überkam mich vor ein paar Tagen doch ein Wunsch nach Farbe im Kleiderschrank. Zarter, frühlingshafter Farbe - und weil ich mich nicht entscheiden konnte, hab ich gleich zwei Projekte begonnen. Beide in einer Seide/Baumwoll/Merino/Leinenmischung, beide mit Lochmuster. Unterschiedlich ist die Feinheit der Garne: Das zarte Meergrün ist etwas robuster, das Lachsrosa ist deutlich feiner und leichter. Die Lochmuster sind übrigens unterschiedlich, ich bin gespannt, wie sie mir gefallen, wenn sie fertig sind. Ich hab' nämlich ewig lange nichts mehr für mich gestrickt.

Der meerwassergrüne Pullover wird lange Ärmel, einen Raglanschnitt und einen schlichten Kragen bekommen, vermutlich Turtleneck, mal sehen - er ist schon ziemlich weit fortgeschritten, aber noch nicht fertig.
Der Pulli in Lachsrosa ist angefangen, muss aber noch etwas warten, bis der Kollege fertig ist. Damit ich weiß, was ich besser und anders machen könnte ;)
Ach, und dann ist da noch ein Handschuhprojekt in Arbeit - aber da fehlt mir noch ein bestimmter Rotton. Ein Besuch in der Hamburger Wollfabrik steht an. Offenbar werde ich das Stricken in absehbarer Zeit doch nicht ganz aufgeben.
To be continued .... :)

Wednesday, February 22, 2017

Sterbende Schönheit am Rande Berlins - die Beelitzer Heilstätten


Wer in Berlin lebt und sich für Altes und beinahe Vergessenes interessiert, kommt um die Beelitzer Heilstätten nicht herum. In den Jahren um 1900 als Lungensanatorium erbaut, trifft der Begriff 'Sanatorium' kaum das wahre Ausmaß der Anlage - Wirtschaftsgebäude, Wohnhäuser und nicht zuletzt das eigene Kraftwerk ließen zusammen mit den eigentlichen Krankenhausgebäuden das Ganze wie eine eigene Stadt wirken. Ein Vorzeigebau, Hitler war hier ebenso Patient wie viele Jahre später Honecker, und daneben, davor und dazwischen Zehntausende anderer.
Architektonisch sollten die Gebäude vor allem praktisch sein und für die nach damaliger Auffassung modernste Technik Raum bieten, doch bemühte man sich durchaus auch um Schönheit: Die Bauten sollten sich harmonisch in die Natur einfügen, die sie umgab. Und dafür sorgte eine Kombination aus Backstein, Holzfachwerk, farbigem Verputz und passenden Dachschindeln, deren Charme sich bis in die Gegenwart gerettet hat.
Zumindest zum Teil. Denn die Beelitzer Heilstätten wurden wie so viele Bauten in der ehemaligen DDR nach der Wende auf die verschiedensten Arten genutzt, und einige Teile waren jahrelang dem Verfall preisgegeben. Gewohnt hat hier niemand mehr, und gearbeitet nur, wenn die Heilstätten als Filmkulisse dienten oder mit ihrem verblassenden Zauber reizvolle Fotomotive boten.
Diese Zeiten scheinen sich dem Ende zu nähern. Mittlerweile wurde ein Bauprojekt begonnen. Ein Teil der Anlage, der Östliche, der besser erhaltene, wird umfangreich saniert, die Gebäude werden zu Wohnungen für Kreative umgebaut und sind längst nicht mehr zugänglich.
Die westlich gelegenen Bauten stehen weiterhin allein, ungeschützt der Witterung preisgegeben, in eben jenem Wald, in den sie sich damals harmonisch einfügen, von dem sie sich aber auch abgrenzen sollten. Und der sie sich allmählich zurückerobert. Das Mauerwerk marode, von Efeu überwuchert, die Häuser blind, ausgeweidet. Aber bisher behaupten sie sich noch. Wer sich hier umsieht, wird sich irgendwann eingestehen müssen: Ihre Gegenwart ist ehrfurchtgebietend, diesen Häuser, in denen über so viele Jahrhunderte so viele Menschen schicksalshafte Jahre verbrachten, um Gesundheit, Leben, ihre tägliche Existenz rangen, haftet etwas Besonderes an. Zahlreiche Schauer- und Spukgeschichten ranken sich um die Beelitzer Heilstätten, daran mag glauben, wer mag. Gespenster sind mir nicht begegnet. Ein Geist herrscht hier aber sehr wohl - der einer tiefen Melancholie ...












Monday, February 13, 2017

Finnland liegt in Brandenburg, und wo man den Schlüssel für die Stadt bekommt


Sieht das nicht ganz nach Skandinavien aus? Finnland, oder doch wenigstens Südschweden? Ist aber nicht, die fröhlich-bunten Holzhäuser stehen zwar weit im Norden, aber nur im Norden Brandenburgs, da, wo es verschneite Buchen- und Birkenwälder gibt und angeblich auch einige Wölfe. Die haben sich vornehm zurückgehalten und sich uns nicht gezeigt, und das war auch gut so, die eisige Kälte war schon Abenteuer genug. Alle Gewässer waren zugefroren, die Boote lagen fest, die Zeit stand still oder ging doch zumindest etwas langsamer.
So langsam, dass die Zeit sogar ein Stück rückwärts zu laufen schien, und wir gingen mit ihr ...
Da waren zunächst die Schlüssel für das Stadttor, die wir hatten ....

Den für den Pulverturm hinten links übrigens bekamen wir auch ... Der Aufstieg war allerdings nicht ganz ohne ...

Dafür gab es dann auch eine ganz spezielle Aussicht ....

... wenn auch die Kälte uns sehr schnell wieder ins Haus zurück trieb. Je höher, desto kalt. Oder so ähnlich ...

Spinnräder, Wäschemangeln, mechanische Nähmaschinen - was das Herz begehrt, stand da und schien nur darauf zu warten, benutzt zu werden. Und in einer Ecke gab es noch etwas, das mein Sammlerherz noch ein kleines bisschen höher schlagen ließ. Noch mehr Mechanik:

Und wer sich das alles selbst ansehen möchte, der findet es im Heimatmuseum Gransee, das auf jeden Fall einen Besuch lohnt, nicht nur bei Schnee und Eis. Da gibt es auch die Schlüssel zum Stadttor. Und zum Pulverturm ;)
Viel Vergnügen!