Wollarium

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Monday, March 7, 2016

Captains' Summit und Kultur - mit Etsy in München und danach

(Foto: Stefanie)

Am vergangenen Wochenende hatte ich die Ehre und das Vergnügen - und das meine ich genau so, wie es hier steht, sowohl Ehre als auch Vergnügen - am deutschen Etsy Captains' Summit in München teilzunehmen. Eine Ehre war es mir insofern, als ich mich zwar in einem der Teams engagiere (für alle Nicht-Etsyianer: so schließen sich Shop-Inhaberinnnen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen, in welcher Hinsicht auch immer), aber kein 'Captain' bin und trotzdem teilnehmen durfte, und ein Vergnügen, weil es ein sehr konstruktives Wochenende war, bei dem ich viele engagierte und interessante Menschen traf, die ich vorher, wenn überhaupt, nur von Online-Begegnungen her kannte. Besonders gefreut hat es mich, endlich Johanna und Eva-Dewi (unbedingt hier schauen bei Nauli) vom Etsy Germany Street Team persönlich kennenzulernen, nachdem wir schon ewig lange online miteinander zu tun haben - und mein spezieller Dank gilt Stefanie vom Label Krambeutel, die so fantastisch organisiert ist, dass sie im Nullkommanichts Fotos vom Event zur Verfügung stellen konnte ... Chapeau!
Die Location lag hoch genug, um einen schönen Blick über die Dächer Münchens zu bieten (ich konnte sogar die Alpen sehen - yeah!) und hell und sonnig genug, um einen schönen Arbeitsrahmen zu bieten. Ein paar Eindrücke hier:
München. Zweifel unmöglich ... Foto: Stefanie
In der Pause draußen frische Luft tanken (war übrigens sehr kalte Luft ...) Links ich, rechts Johanna von Nauli. Foto: Stefanie



Aaaber - es geht noch weiter.
München also. Ich weiß nicht, wie oft ich hier schon war, ohne jemals mehr von der Stadt gesehen zu haben als den Bahnhof und irgendwelche Veranstaltungsorte. Diesmal habe ich kurz entschlossen noch einen Tag drangehängt. Den Montag nach dem Etsy-Wochenende. Was, wie sich zeigte, nur eine begrenzt geniale Idee war.

Meine Recherchen zum Thema: Wie nutze ich einen Tag in München am besten? hatten nämlich ergeben, dass es hier zur Zeit eine Ausstellung über Damenmode der 1930er Jahre gibt, mit dem schönen Titel: "Gretchen mag's mondän". Dummerweise gibt's die Ausstellung nicht an Montagen, da hat das Stadtmuseum geschlossen. Was sehr schade ist. Über Strickmode der 30er und 40er Jahre hatte ich im vergangenen Jahr auf Fanö einen Vortrag gehalten und hoffe, das in diesem Jahr in Inverness u. a. auch wieder tun zu können - das wäre also eine Ausstellung nach meinem Herzen gewesen. Aber falscher Wochentag - Mist.

Immerhin hatte -- wenn auch sonst fast nix - die Neue Pinakothek montags geöffnet. Und da ich sonst wirklich selten dazu komme, ganz müßig Kunst zu betrachten, bin ich da gleich hingestürmt. Nun gehöre ich nicht zu der Sorte Museumsgänger, die sich jeden ausgestellten Gegenstand mit derselben Gründlichkeit betrachten. Ich gehöre zu der Sorte, die in Paris in den Louvre geht, sich einige wenige Bereiche aussucht und sozusagen sehr punktuell guckt. Was mir unterwegs begegnet, gehört dann zu den Zufallstreffern und wird gern auch noch betrachtet. Wer schon mal im Louvre war, weiß, dass das immer noch genug ist, um schmerzende Füße zu verursachen und den Kopf mit viel zu vielen Eindrücken zu füllen.

Die Neue Pinakothek ist nun nicht ganz so groß, hat aber so viele beeindruckende Berühmtheiten zu bieten, dass ich beschlossen hatte, mir nur ein paar Lieblingsmaler anzusehen und die anderen nach Kräften zu ignorieren, um den Genuss nicht zu verwässern. Die Lieblingsstücke waren da - aber was soll ich sagen: mit Kunst ist das wohl so wie mit wirklich guter Literatur: bei jedem Betrachten lässt sich, auch im Abstand von vielen Jahren, immer Neues entdecken. So fand ich ein paar Gemälde, die ich überhaupt nicht auf meiner inneren Liste hatte. Aber die viele Beschäftigung mit Mode und Textilien hat wohl ihre Spuren in mehr als einer Hinsicht hinterlassen. Und so entdeckte ich ganz neue Aspekte in der Malerei.

Dieses Bild einer Büglerin zum Beispiel. Das Foto ist nicht ganz so gut, aber hat schon mal jemand versucht, Spitze zu malen? Auf dem Gemälde sieht der Stoff ganz leicht und fein und zart aus ... Fand ich absolut faszinierend.
Edgar Degas

Oder hier eine Näherin. Sieht gar nicht so viel anders aus als heute, wenn noch letzte Hand an irgendein Detail gelegt wird und das Licht schon wieder viel zu schlecht ist ...
Georg Friedrich Kersting
Diese Damen spinnen, und in ihrer Mitte habe ich sogar eine Strickerin gefunden (und die gibt's wirklich eher selten in der Kunst ...)
Francois-Joseph Navez

Einige sehr schöne Gewandstudien - oder vielmehr Malereien ....

Jacques-Louis David

Joseph Stieler

Wohingegen Goya - also, bei allem Respekt, aber Gewänder waren seine Sache nicht - ich habe selten so lieblos dargestellte Kleiderstoffe gesehen ... War ihm wohl nicht so wichtig. Fällt mir aber sofort auf.



Also alles in allem ein sehr gelungener Aufenthalt hier. Den Rest des Tages bin ich im Übrigen einfach durch die Stadt gelaufen. Zu sehen gibt's hier genug.
Achso - und statt der Ausstellung gab's dann für mich den Katalog. Nicht ganz dasselbe, aber doch ziemlich nah dran ....


Euch allen eine schöne Woche!