Wollarium

Wollarium

Thursday, August 4, 2016

Umgezogen

Das neue Studio ist nun schon seit ein paar Wochen bezogen, es ging auf einmal ganz schnell -  geradezu überstürzt. Das alte Studio mit der schönen blauen Tür, den Rosen und den Lavendelbüschen (zur Erinnerung: so sieht es immer noch aus, es ist nur nicht mehr meins ...)


war zu klein geworden, der neue, größere und  - ja, doch, es ist möglich - noch ein bisschen schönere Raum war noch gar nicht fertig. Das Haus ist alt, es muss immer ein Raum nach dem anderen renoviert und aufbereitet werden. Dann aber war das alte Studio neu vermietet, die neue Mieterin hatte die ersten Termine vergeben und musste einziehen -- und ich Hals über Kopf alles einpacken, ein paar Meter weiter und einige Stufen hinauftragen, in einen Raum, der zwar schon beziehbar war -- aber noch neue Fenster brauchte ...

Ich hätte es nicht geschafft, wenn nicht A. unermüdlich mitgeholfen hätte -- die sich eigentlich schonen sollte und mir vehement das schlechte Gewissen ausredete, das ich deswegen hatte -- und wenn L. nicht tatkräftig drei Tage lang mit angepackt hätte (danke an den Sohn!). Die Unterstützung war nicht nur wichtig, damit ich nicht jeden Weg mit jeder Kiste einzeln laufen musste, sondern auch zur Stärkung der Moral: Der Anblick all der vielen hundert Dinge, Kleinigkeiten, Kartons, Körbe und unförmigen Gegenstände, die nun einmal meine Werkstatt, mein Studio, mein Wollarium ausmachen, war in seiner bunten Fülle schon dazu angetan, mich verzagen zu lassen: Wie sollte ich das alles in drei Tagen von A nach B bewegen? Aber mit ein paar mehr Paar Händen ging es dann auf einmal ziemlich fix -- und es machte fast Spaß.

Das war im Mai.
Inzwischen sind schon die meisten Dinge an ihrem Platz, und deswegen hier ein paar Impressionen:




Wie auf dem ersten Bild sehr schön zu sehen ist, stimmt etwas mit den Fenstern noch nicht - da fehlt es an - genau: Glas. Und deswegen sieht es jetzt so aus:

Und hinter dem blickdichten grauen Folienvorhang erhebt sich das Gerüst -- das vielleicht zeigt, dass diese Fenster wirklich nicht ganz zierlich sind. Aber jetzt werden sie endlich, tatsächlich, erneuert .... morgen sollte das erste eingebaut werden.

Update folgt ....



Monday, March 7, 2016

Captains' Summit und Kultur - mit Etsy in München und danach

(Foto: Stefanie)

Am vergangenen Wochenende hatte ich die Ehre und das Vergnügen - und das meine ich genau so, wie es hier steht, sowohl Ehre als auch Vergnügen - am deutschen Etsy Captains' Summit in München teilzunehmen. Eine Ehre war es mir insofern, als ich mich zwar in einem der Teams engagiere (für alle Nicht-Etsyianer: so schließen sich Shop-Inhaberinnnen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen, in welcher Hinsicht auch immer), aber kein 'Captain' bin und trotzdem teilnehmen durfte, und ein Vergnügen, weil es ein sehr konstruktives Wochenende war, bei dem ich viele engagierte und interessante Menschen traf, die ich vorher, wenn überhaupt, nur von Online-Begegnungen her kannte. Besonders gefreut hat es mich, endlich Johanna und Eva-Dewi (unbedingt hier schauen bei Nauli) vom Etsy Germany Street Team persönlich kennenzulernen, nachdem wir schon ewig lange online miteinander zu tun haben - und mein spezieller Dank gilt Stefanie vom Label Krambeutel, die so fantastisch organisiert ist, dass sie im Nullkommanichts Fotos vom Event zur Verfügung stellen konnte ... Chapeau!
Die Location lag hoch genug, um einen schönen Blick über die Dächer Münchens zu bieten (ich konnte sogar die Alpen sehen - yeah!) und hell und sonnig genug, um einen schönen Arbeitsrahmen zu bieten. Ein paar Eindrücke hier:
München. Zweifel unmöglich ... Foto: Stefanie
In der Pause draußen frische Luft tanken (war übrigens sehr kalte Luft ...) Links ich, rechts Johanna von Nauli. Foto: Stefanie



Aaaber - es geht noch weiter.
München also. Ich weiß nicht, wie oft ich hier schon war, ohne jemals mehr von der Stadt gesehen zu haben als den Bahnhof und irgendwelche Veranstaltungsorte. Diesmal habe ich kurz entschlossen noch einen Tag drangehängt. Den Montag nach dem Etsy-Wochenende. Was, wie sich zeigte, nur eine begrenzt geniale Idee war.

Meine Recherchen zum Thema: Wie nutze ich einen Tag in München am besten? hatten nämlich ergeben, dass es hier zur Zeit eine Ausstellung über Damenmode der 1930er Jahre gibt, mit dem schönen Titel: "Gretchen mag's mondän". Dummerweise gibt's die Ausstellung nicht an Montagen, da hat das Stadtmuseum geschlossen. Was sehr schade ist. Über Strickmode der 30er und 40er Jahre hatte ich im vergangenen Jahr auf Fanö einen Vortrag gehalten und hoffe, das in diesem Jahr in Inverness u. a. auch wieder tun zu können - das wäre also eine Ausstellung nach meinem Herzen gewesen. Aber falscher Wochentag - Mist.

Immerhin hatte -- wenn auch sonst fast nix - die Neue Pinakothek montags geöffnet. Und da ich sonst wirklich selten dazu komme, ganz müßig Kunst zu betrachten, bin ich da gleich hingestürmt. Nun gehöre ich nicht zu der Sorte Museumsgänger, die sich jeden ausgestellten Gegenstand mit derselben Gründlichkeit betrachten. Ich gehöre zu der Sorte, die in Paris in den Louvre geht, sich einige wenige Bereiche aussucht und sozusagen sehr punktuell guckt. Was mir unterwegs begegnet, gehört dann zu den Zufallstreffern und wird gern auch noch betrachtet. Wer schon mal im Louvre war, weiß, dass das immer noch genug ist, um schmerzende Füße zu verursachen und den Kopf mit viel zu vielen Eindrücken zu füllen.

Die Neue Pinakothek ist nun nicht ganz so groß, hat aber so viele beeindruckende Berühmtheiten zu bieten, dass ich beschlossen hatte, mir nur ein paar Lieblingsmaler anzusehen und die anderen nach Kräften zu ignorieren, um den Genuss nicht zu verwässern. Die Lieblingsstücke waren da - aber was soll ich sagen: mit Kunst ist das wohl so wie mit wirklich guter Literatur: bei jedem Betrachten lässt sich, auch im Abstand von vielen Jahren, immer Neues entdecken. So fand ich ein paar Gemälde, die ich überhaupt nicht auf meiner inneren Liste hatte. Aber die viele Beschäftigung mit Mode und Textilien hat wohl ihre Spuren in mehr als einer Hinsicht hinterlassen. Und so entdeckte ich ganz neue Aspekte in der Malerei.

Dieses Bild einer Büglerin zum Beispiel. Das Foto ist nicht ganz so gut, aber hat schon mal jemand versucht, Spitze zu malen? Auf dem Gemälde sieht der Stoff ganz leicht und fein und zart aus ... Fand ich absolut faszinierend.
Edgar Degas

Oder hier eine Näherin. Sieht gar nicht so viel anders aus als heute, wenn noch letzte Hand an irgendein Detail gelegt wird und das Licht schon wieder viel zu schlecht ist ...
Georg Friedrich Kersting
Diese Damen spinnen, und in ihrer Mitte habe ich sogar eine Strickerin gefunden (und die gibt's wirklich eher selten in der Kunst ...)
Francois-Joseph Navez

Einige sehr schöne Gewandstudien - oder vielmehr Malereien ....

Jacques-Louis David

Joseph Stieler

Wohingegen Goya - also, bei allem Respekt, aber Gewänder waren seine Sache nicht - ich habe selten so lieblos dargestellte Kleiderstoffe gesehen ... War ihm wohl nicht so wichtig. Fällt mir aber sofort auf.



Also alles in allem ein sehr gelungener Aufenthalt hier. Den Rest des Tages bin ich im Übrigen einfach durch die Stadt gelaufen. Zu sehen gibt's hier genug.
Achso - und statt der Ausstellung gab's dann für mich den Katalog. Nicht ganz dasselbe, aber doch ziemlich nah dran ....


Euch allen eine schöne Woche!



Sunday, January 31, 2016

Auf die Katze gekommen.

Nun ist schon der letzte Tag im Januar, und ich komme gar nicht hinterher mit allem, was so an allen Stellen passiert. Daher gehe ich mal chronologisch vor und fange mit erfreulichen Dingen an.
Ratebild des Tages: Was ist das?
Genau. Ein gerade angekommener Kater. 
Dieses Scheidungskind ist zunächst mal bei uns eingezogen, da die Tochter schon lange ein Kätzchen haben wollte und die Gelegenheit beim Schopfe griff, als bei Freunden nach einer Trennung das Haustier irgendwie übrig blieb. Das Wunsch-Kätzchen wurde damit ein ausgewachsener Kater, der zunächst noch nicht sicher zu sein schien, was er denn hier sollte. Neue Menschen, neues Haus ... das Bild gibt die Gesamtsituation recht treffend wieder.
Inzwischen hat er die Wohnung aber adoptiert. 
Das Sofa vor allem. Einer seiner Lieblingsplätze ist abends im dunklen Badezimmer direkt hinter der Tür. Da, wo jeder als erstes seine Fuß hinsetzen würde, wenn er die Tür aufmacht. Aber natürlich treten wir jetzt nur noch vorsichtig auf, wir sind ja gut erzogen. Tagsüber bevorzugt er die Fensterbank. Katzen-TV, Doku-Format. Aber die Vögel sind vor ihm sicher, er ist ein Hauskater. Aber immerhin - kürzlich konnten wir klären, dass er zwar nur wenige Wochen brauchte, um uns alle domestiziert zu haben, aber er ist noch nicht Chef.
 Wie wir das herausgefunden haben? Wir hatten leichtsinnigerweise beim Heimkommen nicht schnell genug die Tür geschlossen. Der erste Abend ohne Schnee. Der erste milde Abend. Der Kater sah seine Chance, flitzte zwischen unseren Füßen hindurch nach draußen und verschwand in der Nacht. Groß war die Bestürzung. 
Er kennt doch die Gegend gar nicht. 
Er weiß doch gar nicht, wo er wohnt. 
Er ist doch erst so kurz hier.
Nun, er wusste durchaus, wo er wohnte. Während der Stunde, in der sämtliche Erwachsenen des Haushalts ausschwärmten, um ihn zu suchen, je nach Temperament besorgt, verstimmt oder verzweifelt, kam er zweimal bei mir vorbei, die ich an der Tür stand und wartete, vergewisserte sich aus einigen Metern Entfernung, dass wir ihm noch ein warmes Plätzchen bereithielten, und verschwand wieder in der Nacht, schnell wie der Blitz. 
Beim zweiten Mal sah ihn die Tochter. Lass ihn, sagte ich, der kommt von selbst zurück, offenbar findet er den Weg. Kommt gar nicht in Frage, erklärte die Tochter, wischte sich die Tränen ab, setzte ein Kampfgesicht auf  und ging in die Richtung, in der der Kater verschwunden war, hinein in die Finsternis. Es dauerte eine Weile, aber dann kehrte sie mit dem Kater auf dem Arm zurück. Beide schmutzig und zerkratzt, Die Tochter zeigte noch immer eine Miene finsterer Entschlossenheit, der Kater aber hing auf ihrem Arm, und ich könnte schwören, er hat zutiefst resigniert ausgesehen. Ein Punkt für sie, keiner für ihn.
Danach hat er sich zwei Tage lang abwechselnd geputzt und ausgeruht. 
Leben mit Kater, Teil I.
Ach ja - gearbeitet haben wir auch. In der Werkstatt, katerlos. Zum Glück. Das Problem ist nicht das klassische Wollknäuel, da ist der Katzenmann ganz entspannt. Aber die Stricknadeln .... Also, Bilder aus der katzenfreien Zone. Im Schnee ...
Alle Stricksachen von mir.

Und ja, es war kalt. Alle Bilder wurden am selben Tag gemacht. Wer genau hinsieht, kann auf dem Bild mit dem grünen Pulli rechts auch noch Schnee sehen. Und ja, das Model hat gefroren ....