Wollarium

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Thursday, September 24, 2015

Fanoe Strikkefestival - was lange währt, ist dann vorbei ...


Das war aufregend.
Vorgeschichte: In einem Anflug von "ich-muesste-mal-wieder-was-neues-probieren" hatte ich Anfang das Jahres Christel Seyfarth angeschrieben, die dänische Strick-Designerin, die seit einigen Jahren auf ihrer Heimatinsel Fanö das Strikkefestival veranstaltet, und gefragt, ob Interesse an Vintage-Strick bestände. Beim Strikkefestival auf der Nordseeinsel gibt es Verkaufsstände, Workshops, Vorträge - ein Wochenende, an dem sich alles um Stricken dreht. Hatte ich jedenfalls gelesen und gehört, dagewesen war ich noch nie. Nun, das Interesse bestand, und Ende August stand fest, dass ich zwei Veranstaltungen zu meinem Thema halten durfte - Workshop am Samstag früh über Vintage-Knit-Design und Vortrag am Sonntagmittag über Stricken in der Vorkriegs- und Kriegszeit. Also 30er- und 40er Jahre Strickmode. Erwähnte ich schon mal, dass die Vorbereitung solcher Events immer deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als sich vorher erahnen lässt? Immer. IMMER!
Und erwähnte ich, dass Fanoe, bei näherem Hinsehen, von Berlin aus betrachtet nicht gerade um die Ecke liegt?
Am Freitag um 18.00 Uhr war die erste Besprechung mit allen 'teachers' angesetzt, also fuhr ich - am Donnerstag in Berlin los, besuchte unterwegs noch Freunde und Bekannte, übernachtete in der Weltstadt Quickborn (ein Hoch auf das Ibis-Hotel, das dankenswerterweise quasi neben der Autobahn steht), fuhr zum ersten Mal seit etwa dreißig Jahren wieder von Schleswig-Holstein, wo ich ja herkomme, nach Dänemark, bis nach Esbjerg, wo ich vor besagten dreißig Jahren schon mal gewesen bin und mich an nichts erinnere, außer daran, dass ich damals dort Wolle gekauft habe - ausgerechnet (vermutlich ein Zeichen ...) und fand es herrlich. Begleitet übrigens von Bruce Springsteen, weil ich doch kein Dänisch verstehe und die Radiostimmen mich immer abwechselnd an den Koch bei den Muppets erinnerten oder an Johanna von Koczian in "Wir Wunderkinder" (was sehr liebevoll gemeint ist, ich mag diesen Klang. Ich verstehe nur nichts außer Fremdwörtern). Was mich aber leider auf die Dauer nicht unterhält.
Und dann mit der Fähre nach Fanoe. Praktischerweise alles wunderbar ausgeschildert und überhaupt nicht zu verfehlen. Dänemark ist übersichtlich.

Und von da an war ich pausenlos beschäftigt. Einchecken in der Unterkunft, Besprechung mit Christel und den Lehrkräften, Vortrag auf Dänisch (bei dem ich dabei war, ohne ein Wort zu verstehen, neunzig Minuten), Modenschau, am nächsten Morgen Workshop, dann Suche nach Räumen, Informationen und dem Techniker für den Multimedia-Vortrag am nächsten Tag. Abends dann Dinner (erwähnte ich, dass ich keinen Fisch esse? Niemals, nichts was aus dem Wasser kommt. Aber Fanoe ist eine Insel ...) mit einer wunderbaren Artistengruppe, Circus Cirkör - leider gibt es keine gute Website davon, aber bitte mal nachlesen, lohnt sich!


Und am Sonntag dann auschecken, Vortrag halten (der Techniker war zum Glück genau wie ich eine Stunde vorher da, und wir konnten alles austesten - meine größte Sorge, die Technik ...) - und dann das Ganze zurück: Fähre, Dänemark mit Springsteen, Ibis in Quickborn, Freunde - oh, und dann noch auf dem Rückweg Lagerverkauf in der Hamburger Wollfabrik. Ein reiches verlängertes Wochenende.
Und was habe ich mitgebracht? Nicht viele Fotos, und die, die da sind, wurden alle vor der eigentlichen Öffnung aufgenommen. Sonst wären nur Köpfe zu sehen gewesen. Fanoes Strikkefestival ist unglaublich gut besucht, und dass jedes Mal gut 10.000 Menschen dort sind, glaube ich unbesehen. Bewunderung für eine hervorragende Organisation - beim Strikkefestival müsste sich die Einwohnerschaft von Nordby vervielfachen, und Respekt vor großer Freundlichkeit - alle Dänen, die ich traf, konnten Englisch und/oder Deutsch, was mich sehr beeindruckte, und nahmen es nicht persönlich, wenn jemand wie ich kam, der außer "tak" und "strikkefestival" aber auch wirklich gar kein Dänisch verstand ... Und ich habe eine große Motivation mitgebracht, Neues in Strick auszuprobieren, ich habe nämlich jede Menge neue Designer kennengelernt, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte - was mich in Demut das Haupt neigen ließ, dachte ich doch, fast alles schon mal gesehen oder gehört zu haben.



Und ich habe gute Laune mitgebracht. Die viele Arbeit hat sich nämlich gelohnt, und alles, was ich vorbereitet hatte, hat gut geklappt. Der Workshop war gut besucht, der Vortrag war leider nicht ausverkauft, aber jenen, die dort waren, hat es, glaube ich, gefallen. Es herrschte eine gute Stimmung, und meine Lampenfieber war wie weggeblasen, als ich meine kleine Viele-Medien-Präsentation auf der großen Leinwand sehen konnte. Es lohnt sich also, ab und zu Neues auszuprobieren. Und natürlich hat auf Fanoe die Sonne geschienen :)





3 comments:

  1. Liebe Emma,
    danke für den interessanten Bericht. Ich habe schon viel über das Strickfestival gehört, bin aber noch nie da gewesen. Deinen Vortrag über das Vintage-Knit-Design hätte ich mir gern angesehen. Vielleicht ist es ganz gut, dass ich im Urlaub war und keine Zeit hatte, denn ohne Beutetüte verlässt man so eine Veranstaltung in der Regel nicht ;-)
    Liebe Grüße,
    Anneli

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    Replies
    1. Liebe Anneli - ich habe es ohne Beute-Tüte geschafft :) In Versuchung war ich bei Qiviut - das lag aber so dermaßen außerhalb meines Budgets, dass es nur ein winziger Augenblick der Schwäche war, dem ich dann doch widerstehen konnte - aber ich hatte noch nie zuvor Gelegenheit, diese Faser anzufassen (das immerhin war kostenlos, allerdings waren die kleinen Stränge gesichert). Am schönsten sind die Gespräche bei so einem Event mit den vielen neuen Kontakten - über Stricken, Garne - Designs zum Beispiel von dem norwegischen Label Oleana, das ich vorher nicht kannte - falls Du das auch noch nicht kennst, unbedingt mal Google bemühen, traumhaft schön! LG nach Hamburg - Emma

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  2. gratuliere zum in jeder hinsicht erfolgreichen wochenende!!!
    irgendwann lerne ich auch noch stricken! ganz bestimmt. allerdings fürchte ich dass ich über socken nicht hinauskommen werde - dafür liebe ich das nähen zu sehr!
    schönes weekend! xxxxx

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