Wollarium

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Friday, July 3, 2015

Mal wieder ein Trend: Makramee oder die Kunst der schönen Knoten


Es gab schon Eulenmotive und Matrioschkas, Polkadots und Pastellfarben, seit einiger Zeit sehe ich bei Etsy wieder vermehrt den Boho-Style, nicht nur mit Kelimkissen und bunten Farben. Diesmal auch mit Makramee, dem neuen Trend.

Makramee? Das ist ein "neuer" Trend, den ich nun schon ein paarmal miterlebt habe (ich höre wieder die Stimme meiner Freundin: "You show your age" - ja, ich weiß). Offenbar stimmt es, dass jeder Trend irgendwann mal wieder kommt - oder vielleicht auch einfach nie weg war? Jedenfalls, die Makramee-Welle schwappte nun schon mehrfach in meinen kreativen Alltag.
In der 5. Klasse im Handarbeitsunterricht (gab's damals, es wurde aber nicht nur gestrickt oder gehäkelt und hat daher durchaus Spaß gemacht) haben wir gelernt, in Makramee-Technik Einkaufsnetze oder Taschen herzustellen. Meine damals beste Freundin und ich hatten selbstredend sofort hochfliegende Pläne - superschöne Taschen, von uns selbst gemacht, wir wollten uns an den Nachmittagen treffen, um schicke Modelle zum Umhängen zu knüpfen, natürlich gleich mehrere. Ich glaube, so zweimal hat es sogar geklappt, das Taschenfragment (eines!) ist danach noch lange Zeit immer wieder in irgendwelchen Kisten aufgetaucht, ein frühes UFO (unfinished object). Das war in den Siebzigern.

Etwas später, Mitte der Achtziger, erste eigene Miniwohnung mit einer Leiter, die hinauf zum Schlafboden führte. An dieser Leiter hingen für lange Zeit die jeweiligen Makrameeprodukte, die gerade in Arbeit waren. Ich erinnere mich an Blumenampeln, die mit Holzperlen verziert von den Querbalken hingen und einen Teil meines privaten Gewächshauses lichtgünstig und platzsparend (!) - weil weder auf dem Boden noch auf der Fensterbank der Einzimmerwohnung - bewahrten. Die "Carina" von 1979 empfahl übrigens im Zuge des damaligen Trends auch einen ganzen Teppich aus Makramee:

Inzwischen, Jägerin und Sammlerin, die ich bin, kann ich nach einem ausgiebigen Stöbern in meinem Fundus bestätigen, dass Makramee immer wieder sowohl in Mode und Accessoires, als auch in Home Decor auftaucht, wenn auch in unregelmäßigen Abständen. Jetzt ist es also wieder so weit.

Die Anfänge lassen sich wohl nicht mehr zurückverfolgen, das Wort Makramee oder Macramé kommt angeblich aus dem arabischen Sprachraum, so dass es vermutlich mit den Kreuzrittern und/oder den Mauren über Spanien nach Europa gekommen ist, und es bedeutet so viel wie Weben oder Knüpfen. In Europa gab es vor allem Makrameearbeiten aus festerem Garn, oft wurden diese Arbeiten in Büchern auch als "Knoten" oder "Knüpfarbeiten" beschrieben, so dass sie unter dem Stichwort Makramee oft gar nicht zu finden sind, obwohl es sie gibt.

Um 1900 wurde Makramee vor allem zur Verzierung von gewebten Decken und Vorhängen verwendet, denn beim Weben hingen nach Fertigstellung Fäden heraus. Diese Fäden wurden als Fransen immer aufwendiger verziert mit Knoten und Quasten, und das war der, wie es scheint, beliebteste Verwendungsbereich der Makrameetechnik in jener Zeit. Später wurden diese Borten und Quasten nicht mehr direkt an das Gewebe gearbeitet, sondern separat hergestellt und danach angenäht. Hier ist die unnachahmliche Térèse de Dillmont wieder einmal eine unerschöpfliche Quelle und beschreibt auf mehreren Seiten das Knüpfen und Knoten von dekorativen Ornamenten.

In den 50er Jahren ging der Trend weg von Home Decor hin zu Mode und Accessoires, jedenfalls, was Knoten und Knüpfen anging. Hüte, Taschen, sogar Kragen waren angesagt und wurden zum Selbermachen empfohlen. 1955 waren es vor allem die Hüte, das Material war hier Bast, die Technik, die immer noch "Knoten" genannt wird, wieder Makramee:

Und der aktuelle Trend? Jetzt hat es Makramee sogar in die Kollektionen bekannter Designer geschafft. Das renommierte und vor allem durch seine traditionell geprägte Kleidung bekannte britische Modehaus Burberry hat in seinen aktuellen Kollektionen einiges, was als Makramee bezeichnet wird, allerdings ist das Gewebe, das hier für Röcke oder Hemden verwendet wurde, so fein, dass es für mich eher wie Klöppelspitze aussieht - auch eine Knotentechnik übrigens, wenn auch eine andere. Etwas rustikaler und daher mehr als Makramee zu erkennen ist da schon die Kollektion von Kate Moss - etwa mit einer Weste, die an die Mode der 60er/70er Jahre erinnert und ein bisschen auch an die Blumenampeln: Dickes Garn, wenig Knoten, viele Fransen. Mag nicht jeden Geschmack treffen, ist aber eindeutig Makramee, immerhin ;)

Abgesehen von Kosten und Geschmack lädt die leicht zu erlernende Knüpftechnik unbedingt zum Selbermachen ein: Mit ein oder zwei einfachen Grundknoten lässt sich ein ganzes Makramee-Universum erschaffen.

Und für Vintage-Fans ist das auf jeden Fall spannend. Wer sich selber daran versuchen möchte, wird sicher in alten Heften fündig - der Vorteil an immer wiederkehrenden Trends ist, dass genügend Material zur Verfügung steht. Meistens wird bei den Anleitungen die Knotentechnik beschrieben, das Material ist leicht zu beschaffen. Neben Sisal oder Jute (Vorsicht, nichts für zarte Hände!!) empfiehlt sich zum Ausprobieren ganz normales Garn. Armbänder sind in der einfachsten Knotentechnik leicht herzustellen und vor allem schnell. Es muss ja nicht gleich ein fast 2-Meter-Wandornament sein wie dieses hier:



2 comments:

  1. Ah, ich habe Makramee geliebt und habe in der Tat meinen Eltern wenigstens 4 Blumenampeln (auch wirklich jahrelang im Gebrauch) beschert und mir diverse Armbänder und Gürtel. Letztes Jahr hatte ich ja noch einmal damit anfangen wollen, aber Katzen und Makramee aus zartem Garn - das vertrug sich nicht :-D

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  2. Oh, falls Du es Dir anders überlegst - ich wäre neugierig auf aktuelle Ergebnisse :) Ich hatte, ehrlich gesagt, Makramee völlig aus den Augen verloren, erst vor kurzem erinnerte ich mich so nach und nach wieder an Cricky (für Christiane) und das Fünftklässlertaschenprojekt und das Dachzimmer in Kiel-Schilksee mit den Sisalampeln ... und überlegte auch, das nochmal zu probieren - aber mal schauen ... Faserprojekte erst wieder bei unter 30 Grad ;)

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