Wollarium

Wollarium

Sunday, December 20, 2015

Von drauß', vom Walde ... bring ich die 60er zurück

Das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen, liegt doch meine Werkstatt am Stadtrand von Berlin in einem Ort, der auf -walde endet.
Ja, es weihnachtet, auch bei mir, und wenn auch die Arbeit bis knapp vor die Feiertage reichen wird - weswegen es auch kein Update für mein Shetland-Strick-Projekt gibt, da geht's erst im Januar wieder weiter, für derartiges Spaß-Stricken hab ich im Moment noch keine Zeit - hatte ich mir doch vorgenommen, die Zeit für einen Weihnachts-Blogeintrag zu finden. Dazu hatte ich mich meinem Fundus an alten Zeitschriften zugewandt mit dem Vorsatz, eine Art 'Best of' verschiedener Weihnachtsausgaben zusammenzustellen. Denn dass Weihnachten in den Medien und Supermärkten immer früher anfängt und immer mehr von Konsum geprägt ist, ist vielleicht nur ein Vorurteil - auch in den 60er und 70er Jahren waren schon die November-Ausgaben der einschlägigen Frauen- und Modemagazine voll von Tipps, wie das Fest der Feste noch schöner, größer und bunter werden könnte.
Um es kurz zu machen: Die Zusammenstellung der schönsten Tipps aus verschiedenen Jahrzehnten wird es jetzt nicht geben. Ich bin nämlich schon an einer der ersten Weihnachtsausgaben hängengeblieben, die ich mir angesehen habe - so viele interessante Artikel und Informationen, dass ich beschlossen habe, mich auf ein Heft zu beschränken:


Die 'Für Sie' vom 21. November 1967

Zahlreiche Geschenkvorschläge, Basteltipps - erstaunlich, dass sich da im Grunde gar nicht viel geändert hat in den letzten ungefähr 50 Jahren. Was schenken wir Freunden oder Familie, können wir irgendwas selber machen  - vielleicht sogar mit den Kindern? Und natürlich die obligatorischen Seiten mit mehr oder weniger schicker Kleidung ... das Faszinierende ist: vieles davon könnte genau so heute auch wieder vorgeschlagen werden, ohne dass jemand den Unterschied bemerkt. Also, kaum jemand. Kaum einen Unterschied ... oder? Nehmen wir mal diese Geschenkideen:
Die bunten Aufbewahr-Köpfe oben links sind doch niedlich, oder? Und die Pfeffermühlen unten ....

Und hier ein paar Tipps zum Selbermachen
Und so farbenfrohe Dingser, gefaltet aus Papier oder Pappe, die könnten heute glatt so weitergereicht werden ....

Faltlampen auch noch - fantastisch ...


Der gedeckte Tisch wirkt immer noch einladend. Etwas bunt vielleicht und ein bisschen üppig in der Landhausromantik, aber sonst ... das hat was.



















Und dann  natürlich noch die Modetipps für die Festtage - es gab sie also wirklich zum Kaufen, Tragen, Anziehen - die quietschbunte Mode mit den psychedelischen Designs, wie sie vor allem aus Italien kamen - Pucci, Missoni - hier in der erschwinglicheren Variante. Oben bitte vor allem die Strumpfhosen (damals noch was Superneues) mit dem dazu passenden Oberteil in bunt gemustert - leider nur auf einem Schwarzweißbild. Unten dann ein ähnlicher Stil in voller üppiger Farbenpracht:
Interessant finde ich immer beim Stöbern in alten Zeitschriften, dass vieles von dem, was auch heute noch interessant gefunden wird, gesammelt und gesucht, oft auch früher schon relativ teuer war, wie diese Uhr hier zum Beispiel:


Mit einem Preis von 79 DM scheint mir dieses Würfelmodell für die damaligen Verhältnisse nicht ganz billig gewesen zu sein - dafür würde es auch heute noch jedes Sammlerherz ansprechen.

Und zum Schluss noch eines meiner persönlichen Lieblings-Dingser: Wandtellerchen, funktionslos, aber ich liebe diese Zeichnungen:
Und ich meine die Bildchen links, nicht die Raucheruntensilien in stilvollem Schwarz/Weiß, die damals überall noch zum guten Ton und zur Standardausstattung gehörten.

So viel für heute zum Einblick in das Weihnachtsfest von 1967. Euch allen einen frohen 4. Advent!

Sunday, November 22, 2015

Novemberstimmung ... und ja, auch Leben, Sterben und Tod. Im Kleinen ...

Heute mal ein Exkurs aus gegebenem Anlass, und weil sich das Große ja immer im Kleinen findet und umgekehrt.

Worum geht's?

Nach Hund und Katz' sind wir vor Jahren aufs Schwein gekommen. Aufs Meerschwein nämlich. Und wer meint, dass sich der Unterhaltungswert dieser Tiere im Vergleich zu größeren Vierbeinern doch in Grenzen hält, der hatte vermutlich noch nie welche.

Die ersten Meerschweinchen, die bei uns einzogen, waren zwei Brüder, Wurfgeschwister, was, wie wir später feststellten, wohl nicht das gleiche ist. Diese beiden nämlich waren stets unzertrennlich, und der eine ging prinzipiell niemals irgendwohin, wo nicht auch der andere hinging. Sobald der eine aus welchem Grund auch immer aus dem Käfig genommen wurde, riefen die beiden so lange nach einander, bis der Entführte zurückgebracht oder der andere, um des lieben Friedens und der Schonung der Ohren willen, nachgeholt wurde. Wenn die beiden einmal mit einem der Kinder draußen auf der Wiese waren, dann liefen sie stets Nas-an-Bürz, in gebührendem Abstand natürlich, so dass mindestens zwei Gänseblümchen und ein kleiner Wald satter Halme dazwischen passte. Man war schließlich zum Essen gekommen. Aber immer hübsch in Riech- Hör- oder Sichtweite bleiben, denn sollte ein drohender Schatten von oben auf sie fallen, konnten sie sich wenigstens rechtzeitig zusammendrängen. Vermutlich, um weniger Angriffsfläche zu bieten. Oder was immer sich ein Meerschwein so denkt.

Zum Tierarzt mussten auch immer beide gemeinsam, selbst wenn nur einer krank war. ("Und was fehlt dem anderen?" "Nichts, der kam nur zur Begleitung mit ...") Und beim Tierarzt waren wir fortan öfter, denn wie sich zeigte, hatte einer der beiden häufig Schnupfen, was daran lag, dass er einen Herzfehler hatte. Wir hatten ein Meerschweinchen mit Herzfehler, man stelle sich das bitte einmal plastisch vor. Aber wir lernten ständig dazu.

Ein Schwein mit Herz

Damit er zumindest noch eine Weile bei seinem Bruder bleiben konnte, bekam der Kleine von nun an einmal am Tag eine meerschweinangepasste Dosis eines Kinderherzmittels, mit der Pipette. Jeden Abend, ein fest in den Tagesplan integriertes Ritual. Und dabei passierte, was immer passiert, wenn Lebewesen viel Aufmerksamkeit bekommen: dieser kleine Herzpatient wurde das zutraulichste und handzahmste Haustier, das wir je hatten. Hund und Katze eingeschlossen. Als das Herz mit den (nicht sehr vielen) Jahren dann doch allmählich zu versagen begann, kehrten die Infekte zurück, und dann wurden Nase und Schnäuzchen auch noch regelmäßig sanft mit Kamillentee gereinigt. Allabendlich. Und ich könnte schwören, dass er das genossen hat, auch wenn es heißt, dass Meerschweinchen eigentlich keine Streicheltiere sind. Zweifellos aber sind sie Tiere, die gern unterhalten werden. Notfalls wohl auch von Menschen. Unerwarteterweise starb der eigentlich gesunde Bruder noch vor dem kleinen Herzpatienten, an einem Infekt. So ist das manchmal.

Da Meerschweinchen ja nun mal nicht gern allein leben, kam als nächstes ein kleines braunes Meerschweinkind dazu. Leider fühlte er sich seinem neuen Zuhause noch bei weitem nicht so verbunden wie die beiden Brüder vor ihm, so dass er in einem unbedachten Augenblick den liebevollen Händen der Kinder entschwand und in die Brache auf dem Nachbargrundstück floh. Ein mausgroßes Meerschweinkind in Naturbraun, das auf einer unbebauten Wiese unterwegs war - sobald es unter das nächste Blatt gerannt war, blieb es für immer verschwunden. Zwar fanden wir das kleine Schwein nie wieder, dafür lernten wir an diesem Tag sämtliche Nachbarn kennen, die sich an unserer Suchaktion beteiligten, und so erfuhren wir, dass auf diesem Stück Brachland schon ganze Generationen von Tieren verschollen waren - Kaninchen, Meerschweinchen - und dass auch mal eine aus dem Ruder gelaufene Mäusezucht hier die Freiheit fand. Mittlerweile ist die Brache bebaut, mit Wohnblöcken, die Einwohnerzahl dürfte der einer mittleren Kleinstadt entsprechen. Keiner von ihnen wird wohl je erfahren, welche Dramen sich dort schon abgespielt haben. Begraben vom Lauf der Zeit. So schnell geht das.

Next Generation


Nun wohnen hier noch drei Meerschweinmänner. Einer davon ist inzwischen acht Jahre alt, ein wahrhaft stolzes Alter für einen Nager. Wir hatten den alten Mann schon ein paarmal aufgegeben, als er aufhörte zu essen und immer schwächer wurde. Eine kritische Musterung der Gesamtsituation zeigte aber, dass das an den Zähnen lag. Die mussten nun ab und an mit wenig Aufwand gestutzt werden, und jedes Mal danach warf sich der alte Mann mit ungebremsten Appetit wieder auf Sellerie, Karotten oder Gurken, die allerdings mit dem Sparschäler in Streifen geschnitten werden mussten. Wir hatten nämlich gelernt, dass Nager ihre Nagezähne gar nicht unbedingt brauchen, wenn sie ihr Futter seitlich über die Backenzähne essen können. So machte der Sohn allabendlich Gurkenpommes und ich Möhrenspaghetti. Oder was gerade da war. Und der alte Mann sauste durch sein Gehege wie eh und je. Chef einer Gruppe, die wohl nur in seinem Kopf existierte.

Vor kurzem dann wurde er langsamer, und eines morgens konnte er die Hinterbeine kaum noch bewegen. Die Vorderbeine haben inzwischen auch keine Kraft mehr, also liegt er im Wesentlichen den ganzen Tag auf demselben Platz. Aber das Essen interessiert ihn immer noch. Er hebt den Kopf, wenn jemand vorbeikommt, und schiebt und windet sich, wenn nötig, auch noch ein paar Zentimeter, um die frischesten Heuhalme zu erwischen. Da er nicht mehr läuft, muss er regelmäßig auf frische Streu gesetzt werden, damit er nicht im Nassen liegt. Also alle paar Stunden umbetten, ein Heunest um ihn herum bauen, damit er nicht in eine Position fällt, aus der er sich nicht befreien kann, und regelmäßig frisches Futter, in kleinen Portionen. Denn wenn der erste Hunger gestillt ist, schläft er gern wieder ein. Wie ein alter Mensch.

Über Leben und Sterben ...


Und nun? Der alte Mann hat an Gewicht verloren, ist nur noch Haut und Knochen und Haare. Irgendwann wird er vermutlich Druckstellen bekommen, wenn er sich nicht bewegt. Das Wort vom Einschläfern steht im Raum. Da bleibt es im Moment noch stehen. Wie entscheide ich, wann jemand nicht mehr leben will, der mir das nicht sagen kann?

Mit Blick auf das große ganze Weltgeschehen erscheint das Leben eines Meerschweins banal, aber mir fiel dabei tatsächlich die Debatte um Sterbehilfe ein, die in den Medien diskutiert wird und die wir hier auch immer mal wieder führen. Leben, Sterben und Tod?

Meine Mutter hatte Krebs, über einen so langen Zeitraum, dass wir uns alle daran gewöhnten, dass er da war und sich eigentlich wenig bemerkbar machte. Als ihr Sterben begann, kam es überraschend, und es ging ziemlich schnell. Irgendwann kam der Tag, an dem sie nicht mehr aß, nicht mehr trank und nicht mehr reagierte. Die letzte Phase des Lebens vor dem Tod, im Bett in ihrem Zuhause. Sie würde nie mehr mit uns sprechen, uns nicht einmal ansehen. Das allein war schwer zu ertragen. Aber es war unübersehbar, dass sie noch Schmerzen hatte. Das war sinnlos und unnötig, und es mitanzusehen war eine Qual. Die unmögliche Hausärztin, die meine Eltern hatten, kümmerte sich nicht, der Arzt, der Notdienst hatte, konnte aufgrund des Datums, der Uhrzeit und der Witterung nicht zeitnah kommen. Also führte ich mit ihm ein langes Telefonat, in dem er mir Anweisungen gab, wie ich die Medikamente meiner Mutter dosieren müsste, damit sie keine Schmerzen mehr hatte. Und er fragte mich, ob ich wüsste, was ich tun würde. Ja, das wusste ich. Sie würde nicht mehr aufwachen. Aber das würde sie auch ohne Morphium nicht mehr. Die Wirkung setzte schnell ein, und ich telefonierte in dieser Nacht noch öfter mit dem Arzt, der gut zehn Kilometer weit weg ebenso im Schnee steckte wie wir. Stunden später starb meine Mutter, ganz ruhig und offensichtlich schmerzfrei.

Der Weg vom Leben zum Tod, um mal etwas pathetisch zu verkürzen, ist zweifellos nicht immer einfach, nicht, wenn man krank ist, und nicht, wenn man alt ist. Aber wie erkenne ich, dass er definitiv zu Ende geht? Ich finde das schwierig. Es ist noch ziemlich früh heute. Der Meerschweinmann reckte sich mir, als ich eben an ihm vorbeiging, wieder aufmerksam entgegen und erwartete offenbar sein morgendliches Gemüsebuffet. Ich gehe also jetzt Gurken raspeln und ein frisches Heubett richten. Mal sehen, wie es morgen ist, wie es ihm morgen geht. Morgen sehen wir weiter.

Gerade fällt mir auf, dass heute nicht nur ein grauer Novembertag ist, sondern auch noch Totensonntag. Reiner Zufall, dass sich das mit der Pflegebedürftigkeit des Meerschweinmannes trifft. Habt einen schönen Tag!






Wednesday, November 11, 2015

Neues Strickprojekt: Die Shetlandjacke

Erwähnte ich, dass ich Shetlandgarne liebe und immer mal wieder eines davon in meinen Garnfundus getragen habe? Wobei 'eines' immer eine ganze Kone voll bedeutet, mit Knäulen fange ich bei Garn gar nicht erst an. Und erwähnte ich außerdem, dass ich vom Strikkefestival in Dänemark zwar nichts gekauft, aber ungefähr hundert neue Ideen und Anregungen mitgebracht habe? 

Vor allem die skandinavischen Designerinnen haben es mir angetan, die klassische Muster und Techniken so schön mit neuen und ganz unklassischen Farben, Materialien und Kombinationen verbinden. Ich habe sogar erwogen, mir so ein Stück fertig zu kaufen. Aber ich muss gestehen, als passionierte Strickerin fällt es mir schwer, eine ausgefallene Jacke oder ein Tuch fertig zu kaufen und es nicht selbst zu machen. Aber die Traumteile von Christel Seyfarth oder von Oleana, die es mir angetan haben, sind so fein gearbeitet, dass dafür eigentlich nur die Arbeit an der Strickmaschine in Frage kam. Nun haben die Strickmaschine und ich zwar inzwischen eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung, meine Freizeit möchte ich, ohne ihr zu nahe treten zu wollen, aber nicht gern mit ihr verbringen. Und mir selbst eine Jacke zu stricken, das wäre reine Freizeit. Und so kam ich darauf, die Jacke meiner Vorstellung mit der Hand zu stricken. Und geboren war damit die Idee zu meinem aktuellen Strickprojekt: die Shetlandjacke.

Was heißt aktuell? Diese Jacke wird mich noch Weihnachten, Silvester und vermutlich auch Ostern noch beschäftigen. So, wie ich mir das Modell denke, dürfte das Stricken eine ganze Weile dauern, aber egal -- immerhin habe ich dann (hoffentlich ...) am Ende das Stück, das ich haben möchte, und ich muss gestehen: die Herausforderung fand ich auch reizvoll. Um es kurz zu machen: Ungefähr so soll die Jacke aussehen, die ich gern haben möchte.
Die Zeichnung sieht vor allem deshalb etwas unfertig aus, weil ich mir noch nicht an jeder Stelle ganz sicher bin, wie sie sich im Detail gestalten soll - ich habe deshalb erstmal mit dem angefangen, was ich schon weiß.
Die Jacke wird relativ lang, der Teil unterhalb der Taille leicht ausgestellt und quer gestrickt in verschiedenen Mustern. Der Grundton ist einfarbig, mit zwei verschiedenen Grüntönen als Trennlinien zwischen den verschiedenen Mustersätzen. Das nach unten hin leicht Ausgestellte wird durch verkürzte Reihen erreicht.


Die Taille bekommt Halt und wird betont durch ein breites Bund in einem dunkleren Ton mit Einstrickmustern in verschiedenen Rost- und Orangetönen, die Farben des unteren Teils werden dabei wieder aufgenommen.
Hals und Ärmelbündchen werden doppelt gearbeitet, in einem noch etwas helleren Garn, wobei die Außenseite ein kleines Einstrickmuster aufweist, das die Farben der Jacke wiederholt.
Wie ich das Oberteil und die Ärmel mache, weiß ich, ehrlich gesagt, noch nicht genau. Eine Idee habe ich schon, aber davon gibt es noch keine Musterprobe.

Aufmerksame Beobachterinnen haben sicher bemerkt, dass meine innige Liebe zu Einstrickmustern nicht so weit geht, dass ich sie flächendeckend verstricken möchte. Daher habe ich mich darauf beschränkt, sie hier und da als Effekt einzusetzen. Wie ich schon vielfach erwähnte: ich liebe diese Muster, aber ich stricke sie nicht gern. Dieser sparsame Einsatz kommt mir daher sehr entgegen. Bei so vielen verschiedenen Farben und Mustern ist es natürlich wichtig, die einzelnen Elemente immer mal wieder aufzugreifen, daher wird auch das Oberteil sich irgendwie so einfügen, dass es harmonisch den unteren Teil mit den Blenden an Hals und Handgelenken verbindet. Damit habe ich noch nicht angefangen.

Das macht aber auch nichts, denn bei dieser Jacke habe ich Zeit. Viel Zeit: Der untere Teil wird mit Nadelstärke 2 gestrickt, das Taillenbündchen mit Nadelstärke 1,5. Auch das ist ungewöhnlich für mich, denn bisher habe ich mich bei Nadelstärke 3,5 als meine Lieblingsstärke eingependelt. Aber damit würde ich leider nicht den feinen Effekt erreichen, den ich gern hätte. Es wird also noch dauern mit der Jacke. Fortsetzung folgt :)

Sunday, November 1, 2015

Getrödelt - Gefunden - Gefreut: Flüchtlingskinder. Erziehungsratgeber von damals.

Vor kurzem habe ich beim großen Auktionshaus ein kleines Bündel Bücher - oder besser: Büchlein erstanden, für den üblichen Euro plus Porto. Ein kleines Buch über gestrickte Kinderkleidung ist dabei, bei den anderen handelt es sich um Ratgeber zur Kindererziehung von den frühen 50ern bis in die späten Sechziger Jahre.

So etwas hatte ich noch nicht in meiner kleinen Bibliothek, und für ein abgerundeteres Bild der Kulturgeschichte der Nachkriegszeit schien mir das eine interessante Ergänzung zu sein. Eines dieser Büchlein möchte ich heute bei Getrödelt-Gefunden-Gefreut vorstellen, es hat den Titel: "Flüchtlingskinder" und ist aus dem Jahr 1951.
Dieses Heft sprang mir sozusagen sofort ins Auge. Einmal natürlich, weil der Begriff "Flüchtling" heute wohl wieder ähnlich häufig verwendet ist, wie er es damals war, und auch deswegen, weil - ich erwähnte es schon in früheren Posts - auch meine Eltern Flüchtlingskinder waren, genau wie ihre Geschwister, die später meine Onkel und Tanten wurden. Was einmal mehr zeigt, dass die Geschichte ein großer, weiter Ozean ist, in dem alles früher oder später wieder an der Oberfläche auftaucht.

Mich hat interessiert, welche pädagogischen Erkenntnisse es in der Nachkriegszeit gab über Flüchtlingskinder, und welche Tipps und Ratschläge, wie am besten mit ihnen umzugehen, wie ihnen beizustehen ist. Und ob wir daraus Erkenntnisse auch für die heutige Zeit gewinnen können. Das Inhaltsverzeichnis gibt einen ersten Aufschluss:

Um es kurz zu machen: 

Vom heutigen Standpunkt pädagogischen Allgemeinwissens aus betrachtet, bietet das Büchlein nicht viel. Es wird anhand von Beispielen gezeigt, welchen Einfluss die Flucht, der Verlust der vertrauten Umgebung, nicht nur auf das Kind, sondern auch auf die Strukturen innerhalb der Familie haben kann. Und es wird geschildert, wie unterschiedlich Kinder darauf reagieren können, je nach Persönlichkeit, nach Alter, und natürlich nach dem, was sie erlebt haben.
Mir scheint, dass es der Verfasserin in erster Linie darum ging, überhaupt ein Problembewusstsein zu schaffen für die besondere Situation der Kinder in den Jahren nach dem Krieg. Die Anleitungen zur Hilfe und Unterstützung gehen über sehr einfache Leitsätze nicht wesentlich hinaus.

Leitsatz 3: "Wir müssen diesen Kindern Hilfen geben, daß sie mit ihren Schwierigkeiten fertig werden. Dann stören sie unsere Welt nicht, sondern bereichern sie." 

Schlichte grundsätzliche Erklärungen wie diese waren offenbar nötig. Aber immerhin, es wurde versucht, die Kinder der Nachkriegszeit als eigene Persönlichkeiten mit ihren ganz eigenen Sorgen, Nöten und Problemen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Zumindest theoretisch. Auf individuelle psychologische und pädagogische Betreuung lässt das noch nicht schließen. Und bis in den letzten Winkel der westdeutschen Nachkriegsrepublik sprachen sich  diese Erkenntnisse wohl seinerzeit nur langsam herum. Mein Vater jedenfalls, der zweifellos ein offener Mensch mit viel Sinn für die heiteren Dinge des Lebens war, hatte aus seiner Schulzeit als Flüchtlingskind in der Nachkriegszeit eher dunkle Erinnerungen.

Das ist alles sehr lange her, und die Pädagogik und kinderpsychologische Schulung vor allem der Erzieher, Lehrer und anderen Verantwortlichen hat sich seit den 50er Jahren mit großen Schritten weiterentwickelt. Trotzdem, meine ich, haben diese zehn Leitsätze immer noch eine gewisse Gültigkeit. Lassen wir die etwas altmodische und teilweise auch pathetisch anmutende Ausdrucksweise mal beiseite, dann klingt, was hier steht, gar nicht mehr so falsch:

Leitsatz 4: "Das Vertrauen des (...) Kindes in die Welt und die Menschen ist erschüttert worden. Durch die Art, wie wir ihm begegnen, arbeiten wir wiederherstellend oder tiefer zerstörend an seinem Bild des Menschen."


Das ist eine schlichte Weisheit. Aber der Grundgedanke ist völlig richtig. Schon eigenartig, dass es nach so vielen Jahren wieder darum geht, zu akzeptieren, zu integrieren, zu fördern, zu unterstützen und zu helfen. Das mag nicht immer einfach sein, aber es ist so wichtig.

Mein Vater übrigens hätte heute, am 1. November, Geburtstag gehabt. Dass ich ausgerechnet heute dieses Heft vorstelle, hat sich zufällig so gefügt. Aber es freut mich, weil es wirklich gut zusammenpasst.

In diesem Sinne: einen schönen Sonntag Euch allen!

Monday, October 26, 2015

Heidepulli für Herbsttage

Nach jahrelangem hingebungsvollem Sammeln von Shetlandgarnen will ich es jetzt wirklich wissen und habe eine ganze Reihe von Projekten mit eben diesen feinen, vielfarbigen, meist leicht melierten Garnen begonnen und widme mich tapfer den von mir so geliebten, aber so elend schlecht von der Hand gehenden Einstrickmustern. Das erste Modell, den Heidepulli - der so heißt, weil ich bei seinem Anblick immer an blühende Erika denken muss -- habe ich jetzt auch endlich fertig, und er hat das Zeug zu einem Lieblingspullover: Er ist schön leicht, trotzdem warm genug, ohne aufzutragen, und passt damit hervorragend unter jede Jacke - und er hat nur dreiviertellange Ärmel, da ich zu jenen Menschen gehöre, die auch an Sturmwindtagen und mit eiskalten Händen stets die Ärmel hochschoppen, weil die sonst ständig im Weg herumhängen ... Und natürlich liebe ich die Farben! Getragen sieht er dann ungefähr so aus:
Sieht zum Rock übrigens deutlich besser aus als zur Hose, was ja durchaus meinen Gewohnheiten entspricht :)

Raglan von oben, weil ich nicht wusste,
 wie weit das Garn reicht ....
Halsbündchen doppelt gestrickt - und zweifarbig: außen grün, innen Erika


Ärmelbündchen mit Mäusezähnen

Statt eines Bündchens ein mehrfarbiges Blattmuster
für eine etwas freiere, fließendere Form















Das rechts ist übrigens ein anderer Lieblingspullover: vor 25 Jahren gestrickt und immer noch unerreicht, was Farbe, Passform und Wohlgefühl angeht. Leider sieht er inzwischen auch so aus und bräuchte einen Nachfolger. Aber jetzt erstmal Einstrickmuster ....
Und ja: ich hab's im Moment mit den Herbstfarben. 


Fortsetzung folgt: Ich habe noch eine Jacke, zwei Paar Handschuhe und eine Mütze auf den Nadeln. Alles mit Variationen von Intarsienmustern und Shetlandwolle der feinen Art. Wie gesagt: Nach etwa jahrzehntelanger Vorlaufzeit will ich es jetzt wissen, ob wir uns nicht doch noch irgendwie stricktechnisch anfreunden können :)

Friday, October 23, 2015

Nimm eine Auszeit, lies ein Buch, nicht zwingend in Kiel


Es ist noch nicht lange her, da hätte ich mir nie vorstellen können, dass es einmal eine Zeit geben würde, in der ich keine Bücher lese.
Ich habe lesen gelernt, lange ehe ich in die Schule kam, und von da an las ich buchstäblich alles, was mir in die Finger geriet. Comics, Zeitschriften, Kochrezepte und Kalendertexte, aber vor allem natürlich Bücher. Ich las, wenn ich eigentlich Hausaufgaben machen sollte, ich las beim Essen (wenn gerade mal niemand da war, der etwas dagegen hatte) und natürlich unter der Bettdecke. Einmal scheiterte sogar eine Beziehung nicht zuletzt daran, dass ich vor dem Einschlafen las und den anderen das Licht störte. Ich konnte mich nicht dazu durchringen, auf die Bücher zu verzichten.

Hach, Bücher! In fremde Geschichten eintauchen, andere Leben miterleben, und so viel Neues kennenlernen. Lernen eben. Eine unendliche, unerschöpfliche Welt.

Und dann, anfangs fast unbemerkt, ließ das nach. Es schien nicht mehr so viele gute Bücher zu geben, denn nur noch selten zog eine Geschichte mich so völlig in ihren Bann, wie ich es gewohnt war, das fand ich enttäuschend und beäugte den nächsten Band, den ich vielleicht kaufen wollte, doppelt misstrauisch. Dann war da noch die Lesebrille, die aus unerfindlichen Gründen eine störende Wand zwischen mich und mein Buch zu schieben schien - was vielleicht aber auch nur daran lag, dass es sich so schlecht mit dem Buch auf der Seite liegen ließ, wenn die Brille dann auf der Nase verrutschte und der Bügel am Ohr drückte ...

Und es gab das Internet. Überwältigende Mengen an Informationen auf kleinstem Raum, Nachrichten, Fakten, und auch Lebensgeschichten. Klicken, scrollen, überfliegen, hier und da festlesen, ein schneller Fluss, eine ständige Verfügbarkeit. Faszinierend. Ich gebe zu, ich bin ein Internet-Junkie.
Gelesen habe ich nur noch Sachbücher, die ich für den Job brauchte. Ganz, ganz selten verirrte sich einmal ein Roman dazwischen, und wenn, dann nie etwas wirklich Großes. Literarisches Fast Food.
Und wie bei Fast Food üblich, meldete sich zwischendurch das schlechte Gewissen: Das ist nicht gut. Das geht auch besser.

Im Sommer tat ich den ersten Schritt zurück in ein besseres Leseleben, zaghaft noch. Mit Fontane. "Der Stechlin". Stand schon seit Jahrzehnten hier im Regal, ungelesen, der Nachzügler einer eigentlich damals schon abgeschlossenen Phase. Ein Roman, in dem kaum etwas passiert, nur Menschen, die sich begegnen, sich wieder trennen, und dazwischen miteinander reden. Lange Gespräche, auf die die Leserin sich einlassen muss. Aber wunderbarerweise funktioniert das. Ganz plötzlich verschwindet die Hast aus dem Denken. Sich auf den langsamen Rhythmus einstellen, dem Tempo des Erzählens folgen, das ist wie Tai Chi - ein ruhiger, gleichmäßiger Fluss, der Körper und Geist gleichermaßen entspannt.
Ich habe den Roman nicht zu Ende gelesen, Ein Abgabetermin kam dazwischen, und andere Texte mussten gelesen werden. Aber ich war auf den Geschmack gekommen.

Jetzt war ich vor ein paar Tagen in Kiel. Nur als Begleitung, ich hatte überhaupt nichts zu tun dort, den Laptop hatte ich zu Hause gelassen für die paar Tage. Ich dachte, ich bummle ein bisschen an der Förde herum. Das Wetter war allerdings sehr norddeutsch - also grau und feucht, und meine Ausflüge führten nicht wesentlich über den nächsten Teeladen hinaus. In der kleinen Ferienwohnung aber war uns gleich ein großes Regal voller Bücher ins Auge gefallen, von denen ich einige schon lange mal lesen wollte, aber es natürlich nicht getan hatte. Vor diesem Regal richtete ich mich für zwei Tage ein. Mit einer großen Kanne Tee, einem Blick in den grünen Garten, und mit einem Buch.
Was soll ich sagen? Es war fantastisch. Ich weiß jetzt wieder, wie sich eine Auszeit nehmen lässt, ohne dass ich wegfahren müsste - sozusagen ein Wellnessurlaub an einem Nachmittag. Lesen. Etwas, das mich wirklich interessiert. Kein Fast Food. Lesen mit Tee. Tee schmeckt übrigens weitaus besser, wenn er auf dem Stövchen warmgehalten wird, als in einer Thermoskanne, das hatte ich inzwischen auch vergessen. Also Lesen mit Tee vom Stövchen. Vielleicht wieder in Kiel, muss aber nicht. Schlechtes Wetter haben wir in Berlin auch :)


Thursday, October 15, 2015

Ja, das Wetter ...


... ist kein besonders originelles Thema. Aber in rekordverdächtiger Geschwindigkeit ist es innerhalb weniger Tage Herbst geworden, und das ist ja irgendwie nicht so meine Lieblingszeit im Jahr. Natürlich ist ein sonniger Oktober wunderschön, wenn in den ersten Tagen des Monats allmählich das Licht weicher wird, warm und golden, ganz anders als die gleißende Helligkeit eines Sommertags am Mittag. Und wenn dann diese sanft schimmernden Tage vorbei sind, wenn morgens Nebelschwaden um die bunten Blätter an Hecken und Sträuchern wabern und schon an einen Spätnachmittag mit Wolldecke und heißem Tee auf dem Sofa denken lassen -- alles schön.

Wenn ich nicht wüsste, dass es von da an bergab geht. 

Irgendwann leuchtet das Laub nicht mehr bunt an den Bäumen, sondern kahle, schwarze Äste recken sich knorrig in einen fahlgrauen Himmel. Wenn es überhaupt bis Fahlgrau kommt. Und ich nicht an viel zu vielen Tagen morgens aufwache und überlege, ob die Sonne wohl noch aufgehen wird, vielleicht schon aufgegangen ist oder wir uns schon wieder auf dem Weg zur Abenddämmerung befinden ... Grau ist dann die Farbe der Saison, und Grau ist definitiv nicht meine Farbe. In keinem Kontext.

Daher hab ich im steten Kampf gegen die aufkommende Wintermelancholie nochmal die Kamera genommen und versucht, an Farbe einzufangen, was die Jahreszeit noch so zu bieten hat. Noch ist die (Wetter-)Lage nicht hoffnungslos, und ich gestehe, die Farben und das Licht spielen um diese Zeit des Jahres doch sehr schön zusammen. Oder?








Friday, October 9, 2015

Mal was Neues gestrickt ...

... und diesmal ziemlich spontan und aus besonderem Anlass: Der Sohn wurde volljährig, wünschte sich eigentlich nichts Besonderes, hatte auch genug zu tun und wollte aus diesem ganz bestimmten Tag deswegen kein großes Ereignis machen. Aber ein persönliches Geschenk sollte es doch sein, das ließ mir irgendwie keine Ruhe. Also entschied ich, ihm einen Pullover zu stricken.

Um die Tragweite eines solchen Beschlusses zu ermessen, ist es notwendig, sich in die Situation von jungen Menschen zu versetzen, die mit einer pausenlos strickenden, manchmal auch spinnenden und, seltener, nähenden Mutter groß werden - Garn ist eine omnipräsente Größe, mein Nachwuchs steigt, seit er den ersten Schritt machen konnte, selbstverständlich über gespannte Fäden und lose Wollknäule, findet es nicht ungewöhnlich, bunte Fadenschnipsel an jedem denkbaren Ort zu entdecken und  entfernt mir, wenn ich vorübergehe - "Moment, bleib mal kurz stehen" - ganz automatisch farbenfrohe Fusseln von Schulter, Arm oder Hosenbein. Eines aber habe ich ihnen erspart - sie wurden nur ganz selten bestrickt, und das ist auch schon sehr lange her.

Aber natürlich bleibt ein Aufwachsen mit Mamas farbenfroher Fadenwelt als Umfeld nicht ohne Einfluss.

Beim Sohn hat sich auf diese Weise ein minimalistischer Kleidungsstil entwickelt, sehr monochrom, sehr schlicht und ohne Extras, mit nur einem einzigen durchgängigen Stilmittel: immer sportlich. Ein Mao-Anzug hätte für ihn schon fast zu viele Details. So jemandem einen Wollpullover präsentieren zu wollen, das ist schon ein Wagnis.

Aber ich fand, es wäre Zeit, mit dem ersten offiziellen Schritt ins Erwachsenenleben doch mal etwas Neues vorzuschlagen. Schlimmstenfalls würde er ihn einfach nicht anziehen, aber doch hoffentlich die Geste zu schätzen wissen.

Selber machen bietet ja zum Glück die Möglichkeit, ein individuell angepasstes Sondermodell zu erschaffen. Wie also sollte ein Pullover sein für diesen jungen Mann? Schlicht sollte der Pullover sein. Klassisch. Ich entschied mich für ein Aranmuster, reduziert auf einen einzigen breiten Zopf vorn und hinten in der Mitte. Der potentielle Träger ist schlank, treibt aber sehr viel Sport, also war die Passform wichtig: schmal in Hüfte und Taille, daher auch kein Bündchen, nichts, was aufträgt oder beult. Nach oben hin etwas weiter werdend, damit die breiten Schultern einerseits positiv betont, andererseits bequem umspielt werden, deswegen überhängende Schultern und gerade Ärmeleinsätze. Da nicht mehr allzu viel Zeit bis zu dem großen Tag blieb, durfte das Garn nicht zu dünn sein, es wurde also das von mir sehr geschätzte Artesano Aran, mit dem sich ein ganzer Pullover bequem innerhalb weniger Tage stricken lässt. Das Garn ist durch den Anteil Alpaka außerordentlich warm und als locker versponnenes Alpaka-Woll-Mischgarn sehr weich. Trotzdem entschied ich mich, den Ausschnitt etwas halsfern zu arbeiten, damit auf keinen Fall etwas kratzen kann, es kommt ja eh ein T-Shirt darunter. Um farblich kein allzu großes Wagnis einzugehen, habe ich mich für ein sehr gedecktes Braun entschieden, und damit es zu den vielen schwarzen Basics passt, die es im nicht vorhandenen Kleiderschrank des Sohnes schon gibt, die Ränder abgesetzt mit schwarzem Seide-Kaschmir-Gemisch - vor allem am Hals trägt auch dieses sehr feine, glatte Garn noch einmal dazu bei, dass "es kratzt" kein Argument sein wird.

Leider sind die Bilder nicht so schön geworden, der Torso, der das Modell trägt, hat die falsche Größe, und hängend am Bügel wirkte der Pullover leider völlig formlos. Ihr müsst mir also einfach glauben, dass das Design recht gut geklappt hat.
Aber was das Wichtigste war: das Geburtstagskind war sehr angetan, hat - dem Kälteeinbruch sei Dank! - das Geschenk gleich angezogen, und stellte selbst fest, dass es eine Welt außerhalb von Sweatshirts und Hoodies gibt, die auszuprobieren sich lohnt. Unterstützt von der Meinung der großen Schwester, die schon immer fand, dass beim Bruder farblich und stilistisch in der Garderobe noch Luft nach oben ist, gibt's jetzt noch einen Pullover. Diesmal in der Farbe etwas mutiger - in einem schönen warmen Grün/Braun. Ich bastle noch etwas an Schnitt und Form herum, die Grundidee war okay, aber im Detail geht das noch besser. Beim nächsten werde ich mich um bessere Fotos bemühen :)

Thursday, September 24, 2015

Fanoe Strikkefestival - was lange währt, ist dann vorbei ...


Das war aufregend.
Vorgeschichte: In einem Anflug von "ich-muesste-mal-wieder-was-neues-probieren" hatte ich Anfang das Jahres Christel Seyfarth angeschrieben, die dänische Strick-Designerin, die seit einigen Jahren auf ihrer Heimatinsel Fanö das Strikkefestival veranstaltet, und gefragt, ob Interesse an Vintage-Strick bestände. Beim Strikkefestival auf der Nordseeinsel gibt es Verkaufsstände, Workshops, Vorträge - ein Wochenende, an dem sich alles um Stricken dreht. Hatte ich jedenfalls gelesen und gehört, dagewesen war ich noch nie. Nun, das Interesse bestand, und Ende August stand fest, dass ich zwei Veranstaltungen zu meinem Thema halten durfte - Workshop am Samstag früh über Vintage-Knit-Design und Vortrag am Sonntagmittag über Stricken in der Vorkriegs- und Kriegszeit. Also 30er- und 40er Jahre Strickmode. Erwähnte ich schon mal, dass die Vorbereitung solcher Events immer deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, als sich vorher erahnen lässt? Immer. IMMER!
Und erwähnte ich, dass Fanoe, bei näherem Hinsehen, von Berlin aus betrachtet nicht gerade um die Ecke liegt?
Am Freitag um 18.00 Uhr war die erste Besprechung mit allen 'teachers' angesetzt, also fuhr ich - am Donnerstag in Berlin los, besuchte unterwegs noch Freunde und Bekannte, übernachtete in der Weltstadt Quickborn (ein Hoch auf das Ibis-Hotel, das dankenswerterweise quasi neben der Autobahn steht), fuhr zum ersten Mal seit etwa dreißig Jahren wieder von Schleswig-Holstein, wo ich ja herkomme, nach Dänemark, bis nach Esbjerg, wo ich vor besagten dreißig Jahren schon mal gewesen bin und mich an nichts erinnere, außer daran, dass ich damals dort Wolle gekauft habe - ausgerechnet (vermutlich ein Zeichen ...) und fand es herrlich. Begleitet übrigens von Bruce Springsteen, weil ich doch kein Dänisch verstehe und die Radiostimmen mich immer abwechselnd an den Koch bei den Muppets erinnerten oder an Johanna von Koczian in "Wir Wunderkinder" (was sehr liebevoll gemeint ist, ich mag diesen Klang. Ich verstehe nur nichts außer Fremdwörtern). Was mich aber leider auf die Dauer nicht unterhält.
Und dann mit der Fähre nach Fanoe. Praktischerweise alles wunderbar ausgeschildert und überhaupt nicht zu verfehlen. Dänemark ist übersichtlich.

Und von da an war ich pausenlos beschäftigt. Einchecken in der Unterkunft, Besprechung mit Christel und den Lehrkräften, Vortrag auf Dänisch (bei dem ich dabei war, ohne ein Wort zu verstehen, neunzig Minuten), Modenschau, am nächsten Morgen Workshop, dann Suche nach Räumen, Informationen und dem Techniker für den Multimedia-Vortrag am nächsten Tag. Abends dann Dinner (erwähnte ich, dass ich keinen Fisch esse? Niemals, nichts was aus dem Wasser kommt. Aber Fanoe ist eine Insel ...) mit einer wunderbaren Artistengruppe, Circus Cirkör - leider gibt es keine gute Website davon, aber bitte mal nachlesen, lohnt sich!


Und am Sonntag dann auschecken, Vortrag halten (der Techniker war zum Glück genau wie ich eine Stunde vorher da, und wir konnten alles austesten - meine größte Sorge, die Technik ...) - und dann das Ganze zurück: Fähre, Dänemark mit Springsteen, Ibis in Quickborn, Freunde - oh, und dann noch auf dem Rückweg Lagerverkauf in der Hamburger Wollfabrik. Ein reiches verlängertes Wochenende.
Und was habe ich mitgebracht? Nicht viele Fotos, und die, die da sind, wurden alle vor der eigentlichen Öffnung aufgenommen. Sonst wären nur Köpfe zu sehen gewesen. Fanoes Strikkefestival ist unglaublich gut besucht, und dass jedes Mal gut 10.000 Menschen dort sind, glaube ich unbesehen. Bewunderung für eine hervorragende Organisation - beim Strikkefestival müsste sich die Einwohnerschaft von Nordby vervielfachen, und Respekt vor großer Freundlichkeit - alle Dänen, die ich traf, konnten Englisch und/oder Deutsch, was mich sehr beeindruckte, und nahmen es nicht persönlich, wenn jemand wie ich kam, der außer "tak" und "strikkefestival" aber auch wirklich gar kein Dänisch verstand ... Und ich habe eine große Motivation mitgebracht, Neues in Strick auszuprobieren, ich habe nämlich jede Menge neue Designer kennengelernt, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte - was mich in Demut das Haupt neigen ließ, dachte ich doch, fast alles schon mal gesehen oder gehört zu haben.



Und ich habe gute Laune mitgebracht. Die viele Arbeit hat sich nämlich gelohnt, und alles, was ich vorbereitet hatte, hat gut geklappt. Der Workshop war gut besucht, der Vortrag war leider nicht ausverkauft, aber jenen, die dort waren, hat es, glaube ich, gefallen. Es herrschte eine gute Stimmung, und meine Lampenfieber war wie weggeblasen, als ich meine kleine Viele-Medien-Präsentation auf der großen Leinwand sehen konnte. Es lohnt sich also, ab und zu Neues auszuprobieren. Und natürlich hat auf Fanoe die Sonne geschienen :)